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Eisenhüttenstadt (han). Den Blick hinter die Kulissen konnten interessierte Besucher am vergangenen Samstag im Städtischen Museum werfen. Neben der Dauerausstellung zur Geschichte Fürstenbergs und Stalinstadts gab es jede Menge historisches und doch noch Erlebtes zu sehen. Egal, ob Omas Waschküche mit manueller Waschmaschine, Waschbrettern, Wellenbadewanne und Zinköfen oder die Handwäschemangel und historische Klammern, Bügeleisen mit Kohlefüllung oder Quirle aus dem Spreewald – es waren einerseits Dinge des täglichen Bedarfs von vor 50-70 Jahren für die Einen und Bestaunenswertes für die Nachgeborenen. Oder wussten Sie, dass die ersten Quirle tatsächlich aus dem Spreewald kamen und aus Tannen- oder Fichtenbäumen hergestellt wurden? Andere Quellen nennen aber auch die Slowakei und Skandinavien. Mit großem Interesse lauschte Tim den Ausführungen seiner Oma Ursula und seines Opas Helmut beim Rundgang durch die Räume. Denn die beiden hatten die Zeiten mit vielen der ausgestellten Dinge noch live erlebt. Und so wurde in den Erzählungen und in den Erinnerungen noch einmal Erlebtes lebendig. Neugierig, wie der Erstklässler war, fragte er: „Papa, wo führt denn diese Treppe hin!“ „Wollen wir mal gucken, was da oben ist?“, fragte dieser zurück, was Tim nickend bejahte und schon auf den Stufen empor eilte. Erstaunt und beeindruckt, blieb er in der Tür stehen und sagte wohl mehr zu sich, als zu Papa und den Großeltern: „Sah so die Schule aus?“ Unschwer war das an der Landkarte des Kreises Frankfurt (Oder) und des Stadt-und Landkreises Eisenhüttenstadt, an den ausgestopften Tieren in der Vitrine, den alten Schulmappen am Gaderobenhaken und an Pult und Sitzreihen zu erkennen. Auch hier konnten sich Großeltern und auch der Autor noch erinnern, in genau solchen Klassenräumen gelernt zu haben. Nur Süderlinschrift, Schiefertafel und Griffel und Feder und Tintenfass waren wohl auch schon damals, in den 1960ern, nicht mehr so ganz aktuell. Nach dem ersten Staunen, beschloss Tim, dass er der Lehrer ist und lehrte Papa und den Großeltern das Buchstaben schreiben, was nicht nur ihm sichtlich Freude bereitete. So, wie diese Familie gewannen viele Besucher am Museumstag in den Räumen in der Fürstenberger Löwenstraße Einblicke in die Geschichte der Stadt und das Lebens vor nicht allzu langer Zeit und mittlerweile doch vor unserer Zeit. Ein lohnender Besuch allemal, auch wenn kein Museumstag ist. Für die Leiterin des Städtischen Museum Maria Wundersee und den Museumsverein war es einer von vielen Höhepunkten in diesem Jahr. Denn neben zahlreichen musikalisch-künstlerischen Veranstaltungen, folgt nach im Mai die Vernissage zu 40 Jahren deutsch-deutsche Städtepartnerschaft Eisenhüttenstadt-Saarlouis. Diese öffentliche Veranstaltung am 23. Mai, um 11.00 Uhr,würdigt diese und kann bis zum 19. September, dem Tag der Unterzeichnung des Vertrages im Jahr 1986, besichtigt werden.
Fotos: han |