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Tourismus:
Wanderung in der früheren Standesherrschaft von Brody (Pförten) nach Biecz (Beitzsch) und zurück





Wem es so geht wie uns Niederlausitzer Wandergurken, in dem kommt nach mehrmaligem Wandern um die Schlossruine in Brody (Pförten) und den See Jez. Brodzky (Pförtener See) nach Jeziory Dolne (Ndr. Jeser) sowie Suchodol (Zauchel mit dem gleichnamigen See) und zurück über Jeziory Wysokie (Hoh Jeser) der Wunsch auf, einmal etwas weiter außerhalb der zu Zeiten Heinrich von Brühls als Standesherrn (1740 bis 1763) kleinen aber sehr geschäftigen Stadt Pförten zu erleben, wie das Leben im Gebiet der Standesherrschaft, auf dem so genannten Platten Land, einmal war und heute ist, über sechs Jahrzehnte nach dem letzten großen verheerenden Krieg mit all’ seinen Folgen. Plattes Land ist dabei keine Erfindung von uns oder irgendwie negativ gemeint. So wurde das dörfliche Land um große und kleine Städte in der preußischen Provinz Brandenburg um die Mitte des 19. Jahrhunderts bezeichnet, also auch in der Niederlausitz. Wilhelm Heinrich Riehl und J. Scheu benutzten 1861 diesen Begriff ebenfalls in ihrer sehr umfänglichen Dokumentation „Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande“. (Reprint Niederlausitzer Verlag Guben, 716 Seiten; 1,154 Kilogramm schwer – gemäß Briefwaage...). Auch wir machen uns dort manchmal schlau, wenn wir anderswo nicht weiter kommen bei unseren Recherchen.

Wir haben uns inzwischen dreimal im heute polnischen Biecz (deutsch Beitzsch, 1937-1945 Beitsch) umgesehen, konnten uns dabei die Kirche von innen ansehen und erkundeten anhand alter und neuerer topographischer Karten zwei Wege von Brody nach Biecz und zurück, sogar über Biecz hinaus bis fast zur Mündung des Flüsschens Pstrag (deutsch Strang), welches in der Gemarkung des Dorfes in den oder die Lubsza (deutsch Lubst) fließt, der/die im heutigen Gubin in die Neiße mündet, nachdem sein Wasser etwa 25 Kilometer vom Quellgebiet westlich des einstigen Bahnhofes Trzebiel (deutsch Triebel) gen Norden zurück gelegt hat. Dabei haben wir erfahren, dass Beitzsch als Rittergutsdorf mit dem Adelsgeschlecht derer von Wiedebach der wohl älteste Adelssitz in der Niederlausitz war und von 1316 bis 1945 ununterbrochen in Wiedebachschem Besitz. Nach dem Tod Heinrich von Brühls übernahmen in guter Nachbarschaft die Herren von Wiedebach, hauptsächlich Friedrich Heinrich Wilhelm von Wiedebach, sogar bis 1816 die Betreuung dessen minderjährigen Erben und die Verwaltung der Brühlschen Güter.

Wir haben inzwischen auch Kontakt aufgenommen mit dem Urenkel des letzten Gutsherren derer von Wiedebach auf Beitzsch. Dabei wussten wir zum Zeitpunkt der Vorbereitung unserer Wanderung noch nicht, dass es am 9. November 2012 im Rahmen einer 2. Tschechisch-Polnisch-Deutschen Tagung in Hoyerswerda „Zur Geschichte und Verflechtung benachbarter Landschaften. Die Nieder-/Oberlausitz: Konturen einer Integrationslandschaft in der Frühen Neuzeit“ einen Vortrag zu dieser historischen Periode gibt - „Landadlige Identitäten in Nieder- und Oberlausitz - Die Herren von Wiedebach auf Beitzsch und Rietschen“.

Im Wesentlichen sind die Vorbereitungen der geplanten Wanderung nun abgeschlossen und so können wir unsere Wandergäste und interessierte Heimatfreunde der Niederlausitz, die gut zu Fuß sind, ganz herzlich einladen, uns auf dieser Tour von B wie Brody bis B wie Biecz und wieder zurück am Sonntag, den 18. November 2012, bei unserer Spurensuche zu begleiten.

Wer allerdings glaubt, von uns über die Geschichte der Herrschaft derer von Wiedebach und das Dorf Biecz so viel zu erfahren, dass man sich ein abgerundetes Bild machen kann, den müssen wir leider enttäuschen. Schon bei den Recherchen über die Historie taten sich uns bisher nicht bekannte „Stolperstellen“ auf, die wir inzwischen zum Teil abklären konnten. Das werden wir u.a. auch zum Inhalt unserer Tagestour machen.

Wie haben wir Wandergurken uns nun diesen Erlebnistag vorgestellt? Nach der Begrüßung in Brody durchwandern wir zuerst die Straßen Traugutta, 1. Maja und Polna. Traugutta ist ein Personenname, 1. Maja ist klar und Polna (russisch Polje gesprochen) heißt Feld, also Feldstraße oder Feldweg… Hinter den letzten Häusern laufen wir durch die offene Feldflur schnurstracks, fast immer den Beitscher Berg im Auge, die gut 5 km bis nach Biecz.

In Biecz angekommen, werden wir zuerst dem alten und neueren Friedhof auf dem von uns so benannten Kirchberg einen Besuch abstatten, um den Menschen vor einem großen Kreuz zu gedenken, die hier einst und jetzt ihre letzte Ruhe fanden. Schließlich ist am Tag unseres Biecz-Besuches in Deutschland Volkstrauertag.

Anschließend sind es von hier nur wenige Schritte bis zu der großen Kirche, die George Bähr an dieser Stelle 1716 bis 1717 erbaute, im Stile der zeitlich danach unter seiner Leitung errichteten berühmten Dresdner Frauenkirche, nur wesentlich kleiner, aber für diesen kleinen Ort eben sehr groß. Bei unserer Erkundung am 18. Oktober hatten wir in den Briefkasten des jetzigen Pfarrhauses (Haus Nr. 75 - früher Schule, jetzt Haus des Küsters) schriftlich eine Bitte um Führung in der Kirche eingesteckt. Na, mal sehen, ob das funktionieren wird. Aus der Literatur wissen wir, dass man sich dort den Schlüssel ausleihen kann. Damit ist natürlich gemeint, dass jemand mitkommt und uns in die Kirche begleitet. Als wir bei unserer ersten Stippvisite um die Kirche herum wuselten und fotografierten, kam auch ein Herr aus diesem Haus mit dem Schlüssel in der Hand. Ein Feedback haben wir jedoch nicht, ob das wieder funktioniert, aber Adresse und Tel. Nr. ist hinterlassen. Wenn es funktioniert, werden wir mit großer Dankbarkeit wieder eine kleine Spende für die Kirche übergeben. Fotografieren ist in der Kirche erlaubt, allerdings dachten wir, dass um diese Jahreszeit der Aufenthalt in dem kalten Gotteshaus auf etwa ½ Stunde beschränkt sein sollte. Auch wir haben den Eindruck oder das Gefühl, dass die Kirche von innen größer wirkt als sie von außen aussieht. Wenn das mit dem Kirchenbesuch nicht funktioniert, können wir ja einen visuellen Blick in den Kirchenraum durch mitgebrachte aktuelle Fotos improvisieren...

Unser Weg führt anschließend über den Kirchhof hinunter zur Dorfstraße mit dem früheren Gasthaus zur Brauerei (das mit dem Renaissancegiebel) und dem einstigen Pfarrhaus (später Schule und heute Kindergarten mit Bibliothek). Das große Gasthaus zur Friedenseiche steht leider nicht mehr. Auf der Sichtachse von der Kirche zum Gut laufen wir zum Torhaus und der Brennerei, um wenigstens einen Blick auf das private Terrain zu werfen, denn es besteht dort aus dem genannten Grund Betretungsverbot. Wir laufen zurück und auf der alten Dorfstraße zum Anger. Ob wir von dort noch weiter durch den früheren Mühlenforst bis zum Standort der einstigen Papiermühle mit Krug und Lumpenstampfe bzw. des Hammers und späterer Wollspinnerei laufen (hin und zurück etwa 3,5 km), hängt davon ab, ob wir die Kirche zuvor besichtigen konnten (dann wird es zeitlich knapp) und vor allem, ob das Wetter diesen Abstecher zulässt. Wenn ja, dann führt der Weg vom Stern im Mühlenforst (von uns so benannt) durch fast unberührte Natur mit zugewachsenen Fischteichen. Von dem einstigen Standort vorkapitalistischer Produktion, der Papiermühle mit dem einstigen anderen genannten Örtlichkeiten, sehen wir nur noch die Mauer am Wehr für das Wasserrad. Alles Andere ist Wildnis, landschaftlich aber durchaus reizvoll.

(Papiermühle zu Beitzsch angelegt von Otto von Wiedebach 1659, von Hzg. Christian II. bestätigt, Monopolstellung in d. N/L. bis 1. H. 18. Jh; in Betrieb noch 1819, nach Erlaß der Gewerbeordnung 1845 kaum noch erw, 1818: 16 – 2 Fst; 1840: 26 – 2 Wgb, 1864: (Wollspinnerei u. Mahlmühle): 40 – 3 Wgb. Quelle: Rudolf Lehmann: Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz: Die Kreise Cottbus, Spremberg, Guben und Sorau. S.242. - Legende dazu: Hzg.-Herzog; N/L.-Niederlausitz; erw.-erwähnt; 16,26,40-Angaben für die Anzahl der Einwohner; Fst-Feuerstelle, damals gebräuchlich, heute würde man Haushalt dafür sagen; Wgb-Wohngebäude).

Wieder zurück in Biecz müssen wir vom Anger aus dann ein kleines Stück (etwa 250 Meter) auf der Straße laufen, um auf einem anderen interessanten Waldweg wieder zurück nach Brody zu kommen. Niemand sollte dabei ungeduldig werden, wenn der Weg ca. 6 km nur durch den Wald führt. Wir sind ihn schon gelaufen. Auch in Brody gibt es abschließend noch einen kurzen Straßenmarsch (etwa 500 Meter).
Die gesamte Wanderstrecke wird 12,5 oder 16 Kilometer lang sein, je nach Variante!

Schlechtwettervariante: Bei ungünstigen Witterungsverhältnissen werden wir auf die Wanderung durch die Feldflur (alles offenes Gelände bis Biecz) wohl verzichten, dafür um den Pförtener See wandern und mit den PKW nach Biecz fahren, um zur vereinbarten Zeit an der Kirche zu sein.

Wie schrieb doch Theodor Fontane bereits 1864 im Zweiten Vorwort seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg - Die Grafschaft Ruppin“ sehr treffend und heute vielleicht noch aktueller denn je? „Es gibt gröbliche Augen, die gleich einen Gletscher oder Meeressturm verlangen, um befriedigt zu sein. Diese mögen zu Hause bleiben...“ Richtig, aber bei uns sind trotzdem oder gerade deshalb ALLE ganz herzlich eingeladen, denn – es gibt bekanntlich nichts Gutes, außer man tut es!

Weitere Informationen, besonders zum Beginn und Treffpunkt, gibt es bei der Anmeldung zur Teilnahme an dieser interessanten Erlebnistour, die unbedingt erforderlich ist, und zwar bis Freitag, den 16.11.2012. Rucksackverpflegung, wetterfeste Bekleidung/Schuhwerk. Keine Teilnahmegebühr, da kein Versicherungsschutz! Um einen freiwilligen Obolus in unseren Fontane-Wanderhut bitten wir jedoch. Dafür gibt’s auch eine persönliche Urkunde für gut gelauntes und blasenfreies Mitwandern. Tel. 03542-3792

Wir Niederlausitzer Wandergurken freuen uns auf Sie!

Gerd Laeser - Gästeführer Niederlausitz - und Frau Edeltraud
Lübbenau/Spreewald

Fotos © Gerd Laeser

1 – Die Kirche in Biecz (Beitzsch), umgeben vom Areal des früheren Kirchhofes (alter Friedhof)

2 – Litho mit Luftbildperspektive vom Rittergutsdorf Beitzsch mit dem Schloss und Gut sowie der Kirche und Pfarrhaus – vermutlich Anfang 19. JH. oder früher (Ausschnitt eines gerahmten Bildes in der Kirche)

3 – Blick in den heute wieder prachtvollen Kirchenraum von George Bähr. Auf dem freien Platz über dem Altar war früher die Orgel eingebaut. Ob es eine Silbermannsche war, ist bis heute nicht mehr eindeutig belegt.

4 – Historisches Postkartenfoto, von einer deutschsprachigen Wandzeitung im Kindergarten von Biecz am 18.10.2012 abfotografiert.

5 – Sichtachse, vom unteren Eingang des einstigen Kirchhofes, vorbei am Saal des früheren Gasthofs zur Brauerei (re.), zum heute ruinösen Turm des einstigen Torhauses von 1683

Eingetragen am 07.11.2012 um 19:45 Uhr.
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